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Janet Ng über wachsende Expertise und Professionalität im internationalen Trail Running

4. Juni 2023

Janet Ng gehört zu den einflussreichsten Funktionärinnen im internationalen Trail Running. Die gebürtige Hongkongerin ist seit Jahren in verschiedenen Gremien von World Athletics und der ITRA (International Trail Running Association) aktiv und hat die Entwicklung des Sports in Asien maßgeblich mitgeprägt. Im Gespräch vor der WMTRC 2023 in Innsbruck-Stubai analysiert sie die wachsende Professionalität des Trail Running, die zunehmende Rolle asiatischer Nationen und die außergewöhnliche Qualität der Athletinnen und Athleten, die sich für die Weltmeisterschaft qualifiziert haben.

Die Evolution des Trail Running zur professionellen Disziplin

Trail Running hat in den letzten zwei Jahrzehnten eine bemerkenswerte Transformation durchlaufen. Was einst als Freizeitsport einer kleinen Gemeinschaft begann, ist heute ein globaler Wettkampfsport mit professionellen Strukturen. Janet Ng hat diese Entwicklung aus nächster Nähe verfolgt.

„Wenn ich an die Anfänge zurückdenke, als ich selbst mit dem Trail Running begann, war es eine völlig andere Welt. Es gab keine offiziellen Rankings, keine standardisierten Strecken, keine professionelle medizinische Versorgung an den Strecken. Heute sehen wir mehr Erfahrung und mehr Expertise auf allen Ebenen — bei den Athleten, den Organisatoren, den Trainern und den Verbänden. Die WMTRC 2023 ist der vorläufige Höhepunkt dieser Entwicklung."

Diese Professionalität zeigt sich in Innsbruck-Stubai auf vielen Ebenen: von der akribischen Streckenvermessung über das ausgefeilte Sicherheitskonzept bis hin zur Live-Übertragung der Rennen. Die Ergebnis-Infrastruktur mit Echtzeit-Tracking ist ein weiteres Beispiel für den Professionalisierungsgrad.

Asiens wachsende Rolle im Trail Running

Als Vertreterin der asiatischen Trailrunning-Szene kann Ng die rasante Entwicklung des Sports in Asien aus erster Hand beschreiben. Länder wie Japan, Hongkong, Thailand und die Philippinen haben sich in wenigen Jahren zu ernsthaften Konkurrenten etabliert.

„Asien ist der am schnellsten wachsende Markt für Trail Running weltweit. In Japan gibt es mittlerweile über 500 Trail-Rennen pro Jahr. In Hongkong, wo ich herkomme, hat sich die Zahl der aktiven Trail Runner in zehn Jahren verzehnfacht. Und wir sehen immer mehr asiatische Athleten auf dem Podium internationaler Rennen. Das ist kein Zufall — es ist das Ergebnis systematischer Förderung und einer Kultur, die Ausdauersport hochschätzt."

Bei der WMTRC 2023 stellen asiatische Nationen so viele Teams wie nie zuvor. Besonders die japanischen und thailändischen Läuferinnen und Läufer gelten als Geheimfavoriten für Podiumsplatzierungen in den Trail-Disziplinen.

Die Qualität der Athleten bei der WMTRC 2023

Ng zeigt sich beeindruckt von der Leistungsdichte im Starterfeld der Weltmeisterschaft. Die Qualifikationskriterien waren streng, und nur die besten Athleten jeder Nation haben den Sprung geschafft.

„Das Feld bei dieser WM ist das stärkste, das ich je in einem Trail-Running-Wettkampf gesehen habe. Das liegt zum einen an den hohen Qualifikationsstandards, zum anderen an der Motivation der Athleten. Eine Weltmeisterschaft unter dem Dach von World Athletics hat eine ganz andere Strahlkraft als ein einzelnes Ultra-Rennen. Hier geht es um Nationalstolz, um die Ehre, sein Land zu vertreten. Das bringt eine andere Intensität mit sich."

Die Leistungstiefe zeigt sich auch in den Streckenrekorden, die bei ähnlichen Rennen in der Region aufgestellt wurden. Ng erwartet, dass bei der WMTRC 2023 neue Maßstäbe gesetzt werden.

Professionalisierung der Trainingsmethoden

Ein wesentlicher Faktor für die gestiegene Athletenqualität sind nach Ngs Einschätzung die verbesserten Trainingsmethoden. Trail Running hat sich von einem Sport, der hauptsächlich auf Naturtalent und Erfahrung setzte, zu einer wissenschaftlich fundierten Disziplin entwickelt.

„Vor zehn Jahren trainierten die meisten Trail Runner nach Gefühl. Heute arbeiten die besten Athleten mit Sportwissenschaftlern, Ernährungsberatern und Mentaltrainern zusammen. Sie nutzen GPS-Daten zur Streckenanalyse, Höhentraining zur Leistungsoptimierung und periodisierte Trainingspläne. Diese Professionalisierung hat das Leistungsniveau dramatisch angehoben. Was vor fünf Jahren eine Weltklassezeit war, reicht heute kaum für die Top 20."

Ng sieht diese Entwicklung grundsätzlich positiv, weist aber auch auf die Risiken hin. Der zunehmende Leistungsdruck könne zu Übertraining und Verletzungen führen, weshalb ein verantwortungsvoller Umgang mit den physischen Belastungen wichtiger denn je sei.

Die Rolle der Frauen im asiatischen Trail Running

Ein Thema, das Ng besonders am Herzen liegt, ist die Förderung von Frauen im Trail Running. In Asien gibt es hier unterschiedliche Entwicklungen — von progressiven Szenen in Japan und Hongkong bis hin zu Ländern, in denen Frauen im Ausdauersport noch immer gegen gesellschaftliche Widerstände kämpfen.

„In Hongkong und Japan sind die Frauen-Startfelder bei Trail-Rennen mittlerweile fast so groß wie die der Männer. In anderen asiatischen Ländern gibt es noch Nachholbedarf. Aber die Richtung stimmt. Wenn eine junge Frau in Thailand oder auf den Philippinen sieht, wie ihre Landsfrau bei einer Weltmeisterschaft antritt, hat das eine unglaubliche Vorbildwirkung. Die WMTRC 2023 ist auch in dieser Hinsicht ein Katalysator."

Ng engagiert sich persönlich in Mentoring-Programmen für junge asiatische Trailläuferinnen und hat dafür ein Netzwerk aufgebaut, das mittlerweile über zehn Länder umspannt.

Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein im Trail Running

Als Sport, der in der Natur stattfindet, trägt Trail Running eine besondere Verantwortung für den Umweltschutz. Ng begrüßt die Nachhaltigkeitsinitiativen der Veranstalter in Innsbruck-Stubai und sieht sie als Modell für die gesamte Branche.

„Wir laufen durch die schönsten Landschaften der Welt. Wir haben die Pflicht, diese Landschaften zu schützen. Was die Organisatoren in Innsbruck-Stubai in Sachen Nachhaltigkeit umsetzen — vom Abfallmanagement über die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel bis hin zur Begrenzung der Teilnehmerzahlen in sensiblen Gebieten — das sollte Standard für jede große Trail-Running-Veranstaltung sein."

In Asien ist das Thema Nachhaltigkeit im Trail Running noch relativ neu, aber die Awareness wächst. Ng arbeitet daran, die in Europa entwickelten Standards auf asiatische Rennen zu übertragen.

Ausblick: Trail Running auf dem Weg zur olympischen Disziplin?

Eine Frage, die in der Trail-Running-Community immer wieder diskutiert wird, ist die mögliche Aufnahme des Sports ins olympische Programm. Ng hat dazu eine differenzierte Meinung.

„Olympia wäre natürlich die ultimative Anerkennung für unseren Sport. Aber ich bin nicht sicher, ob das Format einer Olympiade wirklich zu Trail Running passt. Unser Sport lebt von der Natur, von der Weite, von Strecken, die sich über Stunden und Dutzende von Kilometern erstrecken. Das lässt sich schwer in ein olympisches Format pressen. Vielleicht ist eine eigenständige Weltmeisterschaft wie hier in Innsbruck-Stubai genau das richtige Zuhause für uns."

Unabhängig von der Olympia-Frage ist Ng überzeugt, dass Trail Running seinen Wachstumskurs fortsetzen wird. Die zunehmende Urbanisierung treibe immer mehr Menschen in die Natur, und Trail Running biete die perfekte Kombination aus sportlicher Herausforderung und Naturerlebnis.

Häufige Fragen

Janet Ng ist eine einflussreiche Funktionärin im internationalen Trail Running aus Hongkong. Sie ist in verschiedenen Gremien von World Athletics und der ITRA aktiv und hat die Entwicklung des Sports in Asien maßgeblich mitgeprägt. Sie engagiert sich besonders in der Frauenförderung und Professionalisierung des Trail Running.

Die Professionalisierung zeigt sich auf allen Ebenen: standardisierte Strecken und Qualifikationskriterien, wissenschaftlich fundierte Trainingsmethoden mit Sportwissenschaftlern und Ernährungsberatern, professionelle medizinische Versorgung bei Rennen, Live-Tracking und Echtzeit-Ergebnisse sowie offizielle Rankings und Weltmeisterschaften unter dem Dach von World Athletics.

Asien ist der am schnellsten wachsende Markt für Trail Running. Japan veranstaltet über 500 Trail-Rennen pro Jahr, und die Zahl aktiver Trail Runner in Hongkong hat sich in zehn Jahren verzehnfacht. Asiatische Athleten sind zunehmend auf dem Podium internationaler Rennen vertreten, besonders japanische und thailändische Läufer gelten als aufstrebende Kräfte.

Strenge Qualifikationskriterien sorgen für ein hochkarätiges Feld. Die Motivation der Athleten ist durch den Status als offizielle World-Athletics-Veranstaltung besonders hoch, da Nationalstolz und die Ehre der Landesvertretung zusätzliche Intensität bringen. Die Leistungsdichte ist so groß, dass frühere Weltklassezeiten heute kaum für die Top 20 reichen.

Die Diskussion ist in der Community aktiv, aber die Meinungen sind geteilt. Einerseits wäre Olympia die höchste Anerkennung, andererseits lebt Trail Running von langen Strecken in natürlicher Umgebung, was schwer in ein olympisches Format passt. Viele Experten sehen eigenständige Weltmeisterschaften wie die WMTRC als das idealere Format für den Sport.

Die Entwicklung ist uneinheitlich. In Japan und Hongkong sind die Frauen-Startfelder fast so groß wie die der Männer. In anderen Ländern gibt es noch gesellschaftliche Widerstände. Die Vorbildwirkung von Athletinnen bei internationalen Wettkämpfen wie der WMTRC 2023 spielt eine wichtige Rolle, ebenso wie Mentoring-Programme, die mittlerweile über zehn asiatische Länder umspannen.