In einem der dramatischsten Rennen der gesamten World Mountain and Trail Running Championships 2023 in Innsbruck-Stubai hat sich die Französin Marion Delespierre den WM-Titel im Trail Long der Damen gesichert. Über 80 Kilometer und mehr als 4.500 Höhenmeter durch das Herz der Tiroler Alpen setzte sich Delespierre in einem packenden Zweikampf gegen ihre Landsfrau Blandine L'Hirondel durch. Das Rennen, das am frühen Morgen des 11. Juni 2023 startete, wird als eines der spannendsten in die Geschichte der Trail-Running-Weltmeisterschaften eingehen.
Die Trail-Long-Strecke führte die Athletinnen durch einige der spektakulärsten Landschaften des Stubaitals und der umliegenden Bergketten. Vom Start in Neustift ging es zunächst über sanfte Almwiesen, bevor die ersten technischen Anstiege in die hochalpine Zone begannen. Bereits nach den ersten zehn Kilometern kristallisierte sich eine Spitzengruppe von fünf Läuferinnen heraus, angeführt von der Italienerin Francesca Canepa und der Spanierin Gemma Arenas.
Delespierre hielt sich in der Anfangsphase bewusst zurück. Die 32-jährige Athletin aus den französischen Alpen ist bekannt für ihre kluge Renneinteilung und ihre Stärke auf den letzten Kilometern. Bei Kilometer 25, am Fuße des ersten großen Anstiegs zum Schlicker Joch, lag sie noch auf Platz vier — ein taktisches Manöver, das sich später als goldrichtig erweisen sollte.
L'Hirondel hingegen ging das Rennen aggressiver an. Die erfahrene Ultra-Trail-Spezialistin übernahm bereits bei Kilometer 18 die Führung und baute ihren Vorsprung auf den technischen Abschnitten stetig aus. Am Checkpoint bei Kilometer 40, der höchsten Stelle der Strecke auf über 2.800 Metern, betrug ihr Vorsprung auf Delespierre bereits drei Minuten und 42 Sekunden.
Was dann folgte, war eine Demonstration von Willenskraft und überragender Ausdauerfähigkeit. Auf dem langen Abstieg ins Oberbergtal begann Delespierre systematisch den Rückstand zu verkürzen. Ihre Lauftechnik auf den technischen Downhill-Passagen war beeindruckend — dort, wo andere Athletinnen vorsichtig wurden, beschleunigte die Französin.
Bei Kilometer 55 hatte Delespierre den Rückstand auf L'Hirondel auf unter eine Minute reduziert. Die Zuschauer entlang der Strecke, die über die Live-Tracking-Updates informiert waren, feuerten beide Französinnen lautstark an. Es entwickelte sich ein Duell, das die gesamte Trail-Running-Community in Atem hielt.
Der entscheidende Moment kam beim letzten großen Anstieg bei Kilometer 62. L'Hirondel, die auf den vorherigen Kilometern sichtbar an Tempo verloren hatte, konnte dem Druck von Delespierre nicht mehr standhalten. Am Beginn des Aufstiegs zum Kreuzjoch zog Delespierre an ihrer Landsfrau vorbei — und blickte nicht mehr zurück.
Die französische Dominanz im Trail-Long-Wettbewerb der Damen war bemerkenswert. Mit Delespierre auf Gold und L'Hirondel auf Silber sicherte sich Frankreich zwei der drei Medaillen auf dem Podium. Die Bronzemedaille ging an die Schwedin Mimmi Kotka, die ein konstant starkes Rennen lief und vor allem auf den technischen Passagen überzeugte.
In der Teamwertung dominierte Frankreich ebenfalls souverän. Neben den beiden Medaillengewinnerinnen trug auch die dritte französische Starterin Audrey Tanguy mit einem starken sechsten Platz zur Mannschaftswertung bei. Die Trikolore wehte an diesem Tag gleich dreifach über dem Stubaital — ein historischer Erfolg für den französischen Trail-Running-Verband.
Die vollständigen Ergebnisse aller Wettbewerbe der WMTRC 2023 sind auf unserer Ergebnisseite abrufbar, einschließlich detaillierter Zwischenzeiten und Splits für jeden Checkpoint.
Die 80-Kilometer-Strecke durch die Stubaier Alpen gehörte zu den anspruchsvollsten, die jemals bei einer Weltmeisterschaft im Trail Running eingesetzt wurden. Mit einem Gesamtanstieg von über 4.500 Höhenmetern und technischen Passagen, die alpinistische Erfahrung erforderten, war der Kurs ein echter Prüfstein. Besonders die hochalpinen Abschnitte oberhalb von 2.500 Metern verlangten den Athletinnen alles ab — dünne Luft, wechselndes Wetter und lose Geröllfelder machten jeden Schritt zur Herausforderung.
Die Streckendetails zeigen, dass der Kurs bewusst so gestaltet war, dass verschiedene Fähigkeiten getestet wurden: steile Anstiege, technische Abstiege, lange Flachstücke auf Höhe und schnelle Trailabschnitte im Tal. Diese Vielseitigkeit begünstigte Allround-Athletinnen wie Delespierre, die in keiner Disziplin eine Schwäche zeigte.
Marion Delespierres Weg an die Spitze des Damen-Trail-Runnings war alles andere als geradlinig. Die gebürtige Savoyardin begann ihre Laufkarriere erst relativ spät mit Mitte zwanzig, nachdem sie zuvor als Skibergsteigerin aktiv war. Ihre Erfahrung im Hochgebirge und ihre Fähigkeit, auch unter extremen Bedingungen effizient zu laufen, wurden ihr bei den WMTRC 2023 zum entscheidenden Vorteil.
In der internationalen Trail-Running-Szene galt Delespierre vor der WM nicht als Topfavoritin. Athletinnen wie L'Hirondel, die bereits mehrere UTMB-Podiumsplatzierungen vorweisen konnte, oder die Spanierin Gemma Arenas wurden höher eingeschätzt. Doch Delespierre bewies, dass ihre taktische Klugheit und ihre mentale Stärke auf einer WM-Strecke Gold wert sind.
Unter den Athletinnen und Athleten der WMTRC 2023 fanden sich zahlreiche weitere Top-Talente, deren Profile und Wettkampfgeschichten auf unserer Athleten-Seite nachzulesen sind.
Als Delespierre nach 10 Stunden, 47 Minuten und 23 Sekunden die Ziellinie in Innsbruck überquerte, waren die Emotionen überwältigend. Mit Tränen in den Augen fiel sie zunächst auf die Knie, bevor sie von ihrem Betreuerteam in die Arme geschlossen wurde. „Ich habe während des gesamten Rennens an diesen Moment gedacht", sagte sie im Zielinterview. „Die Strecke war brutal, aber die Landschaft hat mich getragen. Es gibt keinen schöneren Ort, um Weltmeisterin zu werden."
L'Hirondel, die 4 Minuten und 18 Sekunden nach Delespierre ins Ziel kam, zeigte sich trotz der knappen Niederlage als faire Sportlerin: „Marion war heute stärker. Auf den letzten 20 Kilometern hatte ich nichts mehr entgegenzusetzen. Silber bei einer WM ist trotzdem etwas, worauf ich stolz sein kann."
Auch die österreichischen Zuschauer, die entlang der Strecke zu Tausenden Spalier standen, zeigten sich begeistert von der Leistung aller Athletinnen. Die Stimmung im Zielbereich am Marktplatz von Innsbruck war elektrisierend — ein Beweis dafür, dass Trail Running in der breiteren Sportöffentlichkeit angekommen ist.
Die Trail-Long-Entscheidung der Damen bei den WMTRC 2023 hat einmal mehr gezeigt, welches Potenzial der Trail-Running-Sport hat. Die Kombination aus atemberaubender Naturkulisse, extremer sportlicher Herausforderung und packender Dramatik macht diese Disziplin zu einem der faszinierendsten Ausdauersportarten überhaupt.
Für die World Athletics, die die Weltmeisterschaften im Berg- und Trail-Running seit 2022 unter ihrem Dach organisiert, war die Veranstaltung in Innsbruck-Stubai ein voller Erfolg. Die mediale Aufmerksamkeit, die Zuschauerresonanz und die sportliche Qualität der Wettbewerbe übertrafen die Erwartungen. Insbesondere das Trail-Long-Rennen der Damen dürfte vielen neuen Fans den Weg zu dieser Sportart geebnet haben.
Die nächsten Weltmeisterschaften werden die Messlatte hoch anlegen müssen, um an die Qualität und die Dramatik von Innsbruck-Stubai 2023 heranzukommen. Marion Delespierre hat mit ihrem Sieg ein Kapitel geschrieben, das in der Trail-Running-Geschichte noch lange nachhallen wird.
Die Trail-Long-Strecke führte über 80 Kilometer mit mehr als 4.500 positiven Höhenmetern durch die Stubaier und Innsbrucker Alpen. Die Strecke umfasste sowohl hochalpine Abschnitte über 2.800 Meter als auch schnelle Trailpassagen im Tal.
Die Silbermedaille ging an die Französin Blandine L'Hirondel, die lange Zeit in Führung lag und erst auf den letzten 20 Kilometern von Delespierre überholt wurde. Der Rückstand im Ziel betrug 4 Minuten und 18 Sekunden.
Frankreich dominierte den Wettbewerb mit Gold (Marion Delespierre) und Silber (Blandine L'Hirondel). Auch die Teamwertung ging an Frankreich. Die Bronzemedaille sicherte sich die Schwedin Mimmi Kotka.
Das Rennen startete bei kühlen Temperaturen am frühen Morgen. Im Tagesverlauf wechselten Sonnenschein und Bewölkung, in den Hochlagen gab es zeitweise Nebel. Die Bedingungen waren insgesamt fair, aber die Höhenlage und der Wind stellten zusätzliche Herausforderungen dar.
Der Wendepunkt kam bei Kilometer 62, beim letzten großen Anstieg zum Kreuzjoch. Dort überholte Delespierre die bis dahin führende L'Hirondel und baute ihren Vorsprung bis ins Ziel kontinuierlich aus.
Marion Delespierre überquerte die Ziellinie nach 10 Stunden, 47 Minuten und 23 Sekunden. Angesichts der extremen Streckenanforderungen mit über 4.500 Höhenmetern war dies eine herausragende Leistung.