WMTRC 2023 Innsbruck-Stubai
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Patrick Kipngeno verteidigt WM-Titel im Vertical Race der Herren am Elfer im Stubaital

8. Juni 2023

Der Kenianer Patrick Kipngeno hat bei den World Mountain and Trail Running Championships 2023 in Innsbruck-Stubai seinen WM-Titel im Vertical Race der Herren erfolgreich verteidigt. Auf der brutalen 5-Kilometer-Strecke mit 1.000 Höhenmetern am Elfer im Stubaital dominierte der 27-Jährige das Feld von Anfang bis Ende und verwies die erfahrenen Berglauf-Größen Petro Mamu (Eritrea) und Henri Aymonod (Italien) auf die Plätze. Es war eine Machtdemonstration, die Kipngenos Status als bester Vertikalläufer der Welt eindrucksvoll untermauerte.

Titelverteidigung mit historischer Dimension

Kipngenos Sieg am Elfer war mehr als ein einzelner Triumph — es war die Bestätigung einer Ära. Nachdem der Kenianer bereits bei den ersten WMTRC 2022 in Chiang Mai, Thailand, den Vertical-Race-Titel geholt hatte, gelang ihm in Österreich das Kunststück der erfolgreichen Titelverteidigung. In der noch jungen Geschichte der von World Athletics organisierten Berg- und Trail-Running-Weltmeisterschaften ist Kipngeno damit der erste Athlet überhaupt, der seinen Vertical-Race-Titel verteidigen konnte.

Die Strecke am Elfer unterschied sich fundamental von dem Kurs in Thailand. Während in Chiang Mai tropische Hitze und Feuchtigkeit die Hauptherausforderungen darstellten, verlangte die Alpine Strecke in den Stubaier Alpen ganz andere Qualitäten: Höhenanpassung, Kälteresistenz und die Fähigkeit, auf steilem, felsigem Untergrund effizient zu laufen. Dass Kipngeno auf beiden so unterschiedlichen Kursen dominierte, spricht für seine außergewöhnliche Vielseitigkeit.

Das Rennen: Kipngenos Solo vom Start weg

Beim Start am Morgen des 8. Juni 2023 — zeitgleich mit dem Vertical Race der Damen, das Andrea Mayr gewann — war die Spannung im Stubaital greifbar. Das Starterfeld der Herren las sich wie ein Who's Who des Berglaufs: Petro Mamu, der legendäre Eritreer mit zahlreichen Berglauf-Klassiker-Siegen, Henri Aymonod aus dem Aostatal, einer der technisch versiertesten Bergläufer Europas, und der Ugander Robert Chemonges, der als Außenseiter gehandelt wurde.

Doch vom Startschuss an lief Kipngeno in einer eigenen Klasse. Der Kenianer, der sein Lauftraining teilweise in den Hochlagen des Rift Valley auf über 2.500 Metern absolviert, zeigte keinerlei Respekt vor der Steilheit des Kurses. Seine Schrittfrequenz auf den ersten 500 Höhenmetern war beeindruckend hoch — dort, wo andere Athleten in einen Power-Hike-Modus wechselten, lief Kipngeno weiter.

Am ersten Zwischencheckpoint, auf halber Strecke, hatte Kipngeno bereits einen Vorsprung von 22 Sekunden auf Mamu und 35 Sekunden auf Aymonod. Die Zuschauer entlang der Strecke, die über Live-Tracking-Daten informiert waren, realisierten: Hier bahnte sich eine Dominanz an, die kaum noch zu stoppen war.

Petro Mamu und Henri Aymonod: Erfahrung gegen Jugend

Während Kipngeno an der Spitze sein eigenes Rennen machte, entwickelte sich hinter ihm ein faszinierender Kampf um die Medaillenränge. Petro Mamu, mit seinen 37 Jahren einer der erfahrensten Bergläufer im Feld, nutzte seine jahrelange Wettkampferfahrung, um sich auf den technischen Passagen gegen die jüngere Konkurrenz zu behaupten. Der Eritreer, der in Italien lebt und trainiert, kennt alpine Strecken wie seine Westentasche — ein Vorteil, den er in der zweiten Streckenhälfte auszuspielen wusste.

Aymonod hingegen setzte auf seine herausragende Technik auf steilem Gelände. Der Italiener aus dem Aostatal ist in den Bergen aufgewachsen und bewegt sich auf Steigungen, die für andere Athleten ein Kampf sind, mit einer Leichtigkeit, die an Bergziegen erinnert. Doch auch seine Klasse reichte nicht, um Kipngenos Tempo zu kontern.

Im Zielbereich an der Bergstation des Elfer kam Mamu als Zweiter an, 41 Sekunden nach Kipngeno. Aymonod folgte weitere 12 Sekunden später auf dem Bronzerang. Die Abstände waren größer als erwartet — ein Zeugnis von Kipngenos überragender Leistung.

Kipngenos Geheimnis: Höhentraining und mentale Stärke

Was macht Patrick Kipngeno zum besten Vertikalläufer der Welt? Experten sehen mehrere Faktoren. Erstens sein Trainingsumfeld: Kipngeno lebt und trainiert in den kenianischen Hochlagen, wo die dünne Luft auf über 2.500 Metern eine natürliche Höhenanpassung bewirkt. Diese physiologische Grundlage verschafft ihm im Wettbewerb einen Vorteil, den europäische Athleten nur durch gezielte Höhentrainingslager teilweise kompensieren können.

Zweitens seine Lauftechnik: Anders als viele europäische Bergläufer, die auf steilen Passagen zu einem schnellen Gehschritt wechseln, behält Kipngeno auch bei extremer Steigung einen Laufrhythmus bei. Diese Fähigkeit, die er über Jahre auf den unbefestigten Pfaden des kenianischen Hochlands entwickelt hat, gibt ihm auf den entscheidenden Steilstücken einen Zeitvorteil, der sich über die gesamte Strecke summiert.

Drittens seine mentale Stärke: Kipngeno ist bekannt dafür, sich von Rückständen nicht beeindrucken zu lassen und vom Start weg sein eigenes Tempo zu laufen. Bei den WMTRC 2023 musste er sich nicht einmal um Rückstände sorgen — er diktierte das Rennen von der ersten bis zur letzten Minute.

Kenias Aufstieg im Berglauf: Vom Straßenlauf auf den Berg

Kipngenos Erfolg steht auch symbolisch für den Aufstieg Kenias im internationalen Berglauf. Traditionell als Straßenlauf- und Bahnnation bekannt, hat Kenia in den vergangenen Jahren zunehmend talentierte Athleten in den Berglauf entsendet. Die natürlichen Voraussetzungen — Höhenlage, hügeliges Terrain, eine Kultur des Laufens — machen kenianische Läufer zu idealen Kandidaten für den Bergsport.

Bei den WMTRC 2023 stellte Kenia eines der stärksten Teams im Vertical Race und bewies, dass die Nation auch in dieser Disziplin zur absoluten Weltspitze gehört. Neben Kipngeno zeigten auch seine Teamkollegen starke Leistungen, die zur Platzierung in der Teamwertung beitrugen.

Die vollständigen Ergebnisse des Vertical Race der Herren, einschließlich aller Platzierungen und Zwischenzeiten, sind auf unserer Ergebnisseite verfügbar.

Der Elfer als Vertical-Race-Strecke: Analyse der Anforderungen

Die Vertical-Race-Strecke am Elfer wurde von den Organisatoren der WMTRC 2023 speziell für die Weltmeisterschaft konzipiert. Mit 1.000 Höhenmetern auf 5 Kilometern Distanz erfüllte sie exakt die Vorgaben von World Athletics für ein Vertical Race. Doch die Strecke bot weit mehr als nur nackte Zahlen.

Der untere Abschnitt führte durch dichten Bergwald, wo die Athleten auf weichem Waldboden und über Wurzeln liefen. Ab der Waldgrenze auf rund 1.800 Metern wechselte der Charakter: offene Almwiesen mit steilem Gras wurden abgelöst von felsigen Passagen, die technisches Geschick erforderten. Die letzten 200 Höhenmeter waren die steilsten — hier trennten sich die Spezialisten von den Generalisten.

Die Wetterbedingungen am Renntag waren günstig: kühle Temperaturen um 8 Grad Celsius am Start und leichter Wind auf den exponierten Passagen. Für die ostafrikanischen Athleten, die an wärmeres Klima gewöhnt sind, waren diese Bedingungen eine zusätzliche Herausforderung — eine, die Kipngeno jedoch mühelos meisterte.

Ausblick: Kipngenos Weg zur nächsten Titelverteidigung

Nach seinem zweiten WM-Titel in Folge richtet sich der Blick bereits auf die Zukunft. Kann Kipngeno seinen Titel ein drittes Mal verteidigen? Die Konkurrenz schläft nicht — junge Talente aus Europa, Uganda und der Türkei drängen in die Weltspitze. Doch solange Kipngeno seine aktuelle Form hält, wird er der Mann sein, den es zu schlagen gilt.

Für den Berglauf insgesamt war Kipngenos Titelverteidigung ein wichtiges Signal: Die Disziplin hat einen Superstar, der Aufmerksamkeit generiert und neue Fans anlockt. In einer Sportart, die traditionell von europäischen Athleten dominiert wurde, hat der Kenianer eine neue Ära eingeläutet — und das Vertical Race am Elfer war das jüngste Kapitel dieser faszinierenden Geschichte.

Häufige Fragen

Patrick Kipngeno hat den WM-Titel im Vertical Race zweimal gewonnen: 2022 bei den ersten WMTRC in Chiang Mai, Thailand, und 2023 in Innsbruck-Stubai. Er ist damit der erste Athlet, der diesen Titel erfolgreich verteidigen konnte.

Die Silbermedaille gewann der Eritreer Petro Mamu mit 41 Sekunden Rückstand auf Kipngeno. Bronze ging an den Italiener Henri Aymonod, der 53 Sekunden hinter dem Sieger ins Ziel kam.

Die Strecke war 5 Kilometer lang mit 1.000 positiven Höhenmetern. Sie führte vom Tal bei Neustift durch Bergwald, über Almwiesen und felsiges Gelände bis zur Bergstation des Elferlift auf rund 2.000 Metern Höhe im Stubaital.

Kenianische Läufer profitieren von mehreren Faktoren: natürliches Höhentraining in den kenianischen Hochlagen (über 2.500 m), eine Laufkultur auf unbefestigtem und hügeligem Terrain, sowie eine außergewöhnliche aerobe Kapazität. Kipngeno kann zudem auch auf steilsten Passagen einen Laufrhythmus beibehalten.

Ja, beide Vertical Races fanden am 8. Juni 2023 am Elfer im Stubaital statt. Bei den Damen gewann die Österreicherin Andrea Mayr, bei den Herren verteidigte Patrick Kipngeno seinen Titel — ein denkwürdiger Doppel-Wettkampftag.

Kipngeno bewältigte die 5 Kilometer und 1.000 Höhenmeter in einer herausragenden Zeit und distanzierte den Zweitplatzierten Petro Mamu um 41 Sekunden. Seine Leistung auf der extremen Steigung war eine der beeindruckendsten des gesamten WM-Programms.