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WMRA-Präsident Tomo Sarf über die Vereinigung von Berglauf und Trailrunning bei der WM 2023

6. Juni 2023

Tomo Sarf ist seit 2017 Präsident der World Mountain Running Association (WMRA) und einer der Architekten hinter der gemeinsamen Weltmeisterschaft in Innsbruck-Stubai. Der Slowene, selbst ehemaliger Berglauf-Athlet, hat jahrelang daran gearbeitet, Berglauf und Trailrunning unter einem Dach zu vereinen. Im Gespräch erklärt er, warum diese Fusion aus seiner Sicht überfällig war und welche Chancen sie für die Zukunft beider Disziplinen bietet.

Die gemeinsame Wurzel von Berglauf und Trailrunning

Die Frage, ob Berglauf und Trailrunning tatsächlich verschiedene Sportarten sind, beschäftigt die Laufszene seit Jahren. Tomo Sarf hat dazu eine klare Meinung, die auf seiner jahrzehntelangen Erfahrung als Athlet und Funktionär basiert.

„Berglauf und Trailrunning sind zwei Arten desselben Sports. Das klingt vielleicht vereinfachend, aber wenn man sich die Wurzeln beider Disziplinen anschaut, kommt man unweigerlich zu diesem Schluss. Beide haben ihren Ursprung im Laufen in den Bergen. Die Unterschiede liegen hauptsächlich in der Distanz und der Beschaffenheit der Strecken, nicht in der grundsätzlichen Natur des Sports."

Ein Blick in die Geschichte des Berglaufs bestätigt diese Einschätzung. Die ersten dokumentierten Bergläufe im 19. Jahrhundert waren im Grunde das, was heute als Trailrunning bezeichnet wird: Läufe über unbefestigte Wege in bergigem Gelände, ohne festgelegte Distanzvorgaben.

Der Weg zur gemeinsamen Weltmeisterschaft

Die Zusammenführung der Disziplinen war kein einfacher Prozess. Sarf beschreibt die jahrelangen Verhandlungen zwischen WMRA, IAU und World Athletics als konstruktiv, aber auch herausfordernd.

„Es gab Phasen, in denen ich nicht sicher war, ob wir das gemeinsame Format jemals verwirklichen würden. Jeder Verband hatte seine eigenen Vorstellungen, seine eigene Tradition, seine eigene Identität. Aber letztlich hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass wir stärker sind, wenn wir zusammenarbeiten. Die Athleten wollten es, die Fans wollten es, und die Sponsoren wollten es. Da konnten wir als Funktionäre nicht im Weg stehen."

Der entscheidende Durchbruch kam 2019, als World Athletics beschloss, beide Disziplinen offiziell in ihr Portfolio aufzunehmen. Von da an war der Weg zur gemeinsamen WM vorgezeichnet — auch wenn die Corona-Pandemie den Zeitplan um zwei Jahre verzögerte.

Die Strecken als verbindendes Element

Für Sarf sind die Strecken in Innsbruck-Stubai der beste Beweis dafür, dass die Vereinigung der richtige Schritt war. Die Kurse wurden so konzipiert, dass sie die Stärken beider Disziplinen hervorheben.

„Schauen Sie sich die Strecken an. Der klassische Berglauf führt auf steilen Wegen bergauf — das ist die Essenz unseres Sports. Die Trail-Strecken bieten technisches Gelände mit Auf- und Abstiegen. Und die Ultra-Trail-Strecke verbindet beides über eine Langdistanz. Wenn man alle drei Formate nebeneinander sieht, erkennt man sofort: Das gehört zusammen. Das ist eine Familie."

Die Tiroler Alpen bieten dafür die perfekte Kulisse. Die Strecken rund um Innsbruck und im Stubaital decken ein breites Spektrum an alpinem Gelände ab — von steilen Graspisten über felsige Grate bis hin zu weitläufigen Almwegen.

Historische Bedeutung des Berglaufs in Europa

Als Europäer und ehemaliger Athlet ist Sarf sich der tiefen historischen Verwurzelung des Berglaufs im Alpenraum bewusst. Die Tradition reicht bis zu den schottischen Highland Games und den Tiroler Almauf- und -abläufen zurück.

„Europa ist die Wiege des Berglaufs. Die Alpen, die Pyrenäen, die schottischen Highlands — hier wurde der Sport geboren. Aber die Welt hat sich verändert. Heute kommen die stärksten Läufer aus Ostafrika, aus Südamerika, aus Asien. Die gemeinsame WM gibt all diesen Nationen eine Bühne. Das ist wichtig für die Globalisierung unseres Sports."

Sarf sieht in der WMTRC 2023 auch eine Hommage an diese lange Tradition. Die Ergebnisse der Meisterschaft werden in eine Geschichtsschreibung eingebettet, die bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht.

Die Rolle der WMRA in der neuen Struktur

Mit der Integration in die gemeinsame WM verändert sich auch die Rolle der WMRA. Sarf sieht seinen Verband nicht als überflüssig, sondern als wichtigen Hüter der Berglauf-Tradition innerhalb der neuen Struktur.

„Die WMRA wird weiterhin die Interessen des Berglaufs vertreten. Wir bringen unsere Expertise ein, wenn es um Streckendesign, Sicherheitsstandards im alpinen Gelände und die Nachwuchsförderung geht. Die gemeinsame WM ist kein Ende der WMRA — sie ist ein neues Kapitel. Und ich bin überzeugt, es wird das spannendste Kapitel in unserer Geschichte."

Konkret arbeitet die WMRA an einem neuen Zertifizierungssystem für Berglauf-Strecken, das weltweit einheitliche Standards setzen soll. Auch die Jugendförderung steht im Fokus: Erstmals werden bei der WMTRC 2023 auch Juniorenrennen im Berglauf ausgetragen.

Ausblick auf künftige Weltmeisterschaften

Sarf blickt zuversichtlich auf die Zukunft des gemeinsamen Formats. Er ist überzeugt, dass Innsbruck-Stubai 2023 als Blaupause für kommende Veranstaltungen dienen wird.

„Was das Organisationskomitee in Innsbruck-Stubai auf die Beine gestellt hat, ist beeindruckend. Die Zusammenarbeit zwischen Stadt und Region, die Einbindung der lokalen Laufgemeinschaft, das Nachhaltigkeitskonzept — das setzt Maßstäbe. Ich hoffe, dass künftige Austragungsorte sich an diesem Beispiel orientieren. Aber die Latte liegt jetzt hoch."

Die nächsten gemeinsamen Weltmeisterschaften sind bereits in Planung. Sarf verrät, dass Bewerbungen aus mehreren Kontinenten vorliegen — ein Zeichen dafür, dass das Konzept der vereinten WM weltweit auf Interesse stößt.

Häufige Fragen

Tomo Sarf ist seit 2017 Präsident der World Mountain Running Association (WMRA). Der Slowene war selbst aktiver Berglauf-Athlet und hat maßgeblich an der Zusammenführung von Berglauf und Trailrunning zu einer gemeinsamen Weltmeisterschaft mitgearbeitet.

Laut Sarf haben beide Disziplinen denselben Ursprung: das Laufen in den Bergen. Die Unterschiede liegen hauptsächlich in der Distanz und der Streckenbeschaffenheit. Die gemeinsame Wurzel und die überlappenden Athletenpools bestätigen aus seiner Sicht, dass es sich um zwei Varianten desselben Sports handelt.

Der Prozess begann mit jahrelangen Verhandlungen zwischen WMRA, IAU und World Athletics. Der entscheidende Schritt war die offizielle Aufnahme beider Disziplinen in das Portfolio von World Athletics im Jahr 2019. Die Corona-Pandemie verzögerte die erste gemeinsame WM um zwei Jahre bis 2023.

Die WMRA bleibt weiterhin aktiv als Hüterin der Berglauf-Tradition. Sie bringt Expertise in Streckendesign, alpine Sicherheitsstandards und Nachwuchsförderung ein. Zusätzlich arbeitet sie an einem weltweiten Zertifizierungssystem für Berglauf-Strecken.

Die Alpen gelten neben den schottischen Highlands als Wiege des Berglaufs. Traditionelle Almauf- und -abläufe in Tirol, der Schweiz und Italien gehören zu den ältesten dokumentierten Berglauf-Veranstaltungen. Innsbruck-Stubai knüpft direkt an diese Tradition an.

Die eigenständigen WMRA-Weltmeisterschaften gehen im neuen gemeinsamen Format auf. Die Berglauf-Disziplinen bleiben als eigenständige Wettbewerbe innerhalb der WMTRC erhalten, sodass Berglauf-Weltmeister weiterhin gekürt werden — nun aber im Rahmen einer größeren Veranstaltung.