Es gibt Geschichten im Sport, die größer sind als der Wettbewerb selbst. Der Sieg von Andrea Mayr im Vertical Race der Damen bei den World Mountain and Trail Running Championships 2023 ist eine solche Geschichte. Mit 44 Jahren, als Ärztin und Athletin zugleich, stürmte die Oberösterreicherin den 5 Kilometer langen und 1.000 Höhenmeter umfassenden Kurs am Elfer im Stubaital hinauf — und holte sich Gold vor Heimkulisse. Ein Triumph, der die gesamte Laufwelt bewegte.
Die Vertical-Race-Strecke am Elfer im Stubaital war ein Monument der Steilheit. Auf gerade einmal fünf Kilometern Distanz mussten die Athletinnen 1.000 Höhenmeter überwinden — eine durchschnittliche Steigung von 20 Prozent, die in einzelnen Abschnitten auf über 35 Prozent anstieg. Vom Startpunkt im Tal bei Neustift führte der Kurs durch dichten Bergwald, über Almwiesen und schließlich durch felsiges Gelände bis zur Bergstation des Elferlift auf rund 2.000 Metern.
Für Mayr, die in ihrer über zwei Jahrzehnte langen Karriere bereits dutzende Berglauf-Weltmeistertitel gesammelt hat, war diese Art von Strecke wie ein Heimspiel im doppelten Sinne. Nicht nur liegt der Austragungsort in ihrem Heimatland Österreich — die Streckencharakteristik mit ihrer extremen Steilheit und den technischen Passagen kam ihrer Laufstil perfekt entgegen. Mayr, die für ihre einzigartige Berglauftechnik bekannt ist — kleine, schnelle Schritte mit hoher Frequenz auf steilstem Terrain — konnte hier all ihre Stärken ausspielen.
Schon beim Startschuss am Morgen des 8. Juni 2023 war die Atmosphäre elektrisch. Tausende österreichische Fans säumten den unteren Teil der Strecke, und entlang des gesamten Aufstiegs hatten sich Wanderer und Laufbegeisterte positioniert, um die Athletinnen anzufeuern. Die Stimmung erinnerte an große Skirennen — ein Heimvorteil, den Mayr zu nutzen wusste.
Vom Start weg übernahm die Österreicherin die Führung. Während andere Top-Athletinnen wie die Uganderin Stella Chesang und die Italienerin Camilla Magliano versuchten, Kontakt zu halten, zog Mayr mit jedem Höhenmeter weiter davon. Am ersten Zwischencheckpoint nach 500 Höhenmetern betrug ihr Vorsprung bereits 28 Sekunden — eine Ewigkeit in einem Rennen, das insgesamt weniger als 40 Minuten dauert.
In der zweiten Hälfte des Aufstiegs, wo die Steigung zunahm und der Untergrund technischer wurde, vergrößerte Mayr ihren Vorsprung weiter. Ihre Lauftechnik auf den steilsten Passagen war beeindruckend: Während andere Athletinnen in einen Gehschritt wechselten, lief Mayr weiter — ein Markenzeichen, das sie über Jahrzehnte perfektioniert hat.
Als Andrea Mayr nach 37 Minuten und 42 Sekunden die Ziellinie an der Bergstation des Elfer überquerte, brach ein Jubelsturm los. Die Zuschauer, die den Gipfelbereich bevölkerten, feierten ihre Heldin mit Standing Ovations. Mayr, sonst bekannt für ihre sachliche Art, konnte die Emotionen nicht zurückhalten. Mit Tränen in den Augen umarmte sie zunächst ihren Trainer und dann ihre Familie, die eigens aus Oberösterreich angereist war.
„Dieser Sieg bedeutet mir mehr als alle anderen", sagte Mayr im Zielinterview, noch sichtlich bewegt. „Mit 44 Jahren, vor meinem Heimpublikum, auf einer solchen Strecke — das ist der perfekte Moment. Ich wusste, dass ich die Form meines Lebens habe, aber ob es gegen die jüngeren Athletinnen reichen würde, war nicht sicher."
Die Silbermedaille ging an die Uganderin Stella Chesang, die sich im steilen Gelände hervorragend schlug und nur 34 Sekunden hinter Mayr ins Ziel kam. Bronze sicherte sich die Italienerin Camilla Magliano, die auf den letzten Metern noch die Kenianerin Joyce Muthoni abfing.
Was Andrea Mayrs Leistung noch bemerkenswerter macht, ist ihre parallele Karriere als Ärztin. Die Oberösterreicherin arbeitet als Fachärztin für Innere Medizin an einem Krankenhaus in Wels und trainiert neben ihrem Vollzeitjob. Eine Kombination, die in der Welt des Spitzensports fast einzigartig ist.
Mayr hat in ihrer Karriere mehr Berglauf-Weltmeistertitel gewonnen als jede andere Athletin. Ihr erster WM-Titel datiert aus dem Jahr 2007 — seitdem hat sie ununterbrochen zur Weltspitze gehört. Bei den WMTRC 2023 bewies sie einmal mehr, dass Alter im Berglauf keine Grenze darstellt, wenn Talent, Erfahrung und harte Arbeit zusammenkommen.
„Der Berglauf ist eine Sportart, in der Erfahrung sehr viel zählt", erklärte Mayr. „Man muss seinen Körper kennen, wissen, wie man sich die Kräfte einteilt, und die technischen Fähigkeiten über Jahre verfeinern. In dieser Hinsicht ist das Alter kein Nachteil — es kann sogar ein Vorteil sein."
Das Vertical Race eröffnete die Wettkampftage der WMTRC 2023 und setzte gleich am ersten Tag ein Ausrufezeichen. Als kürzeste und steilste Disziplin des Programms zieht das Vertical Race Spezialisten an, die auf extremer Steigung ihre Stärken haben. Gleichzeitig ist es für Zuschauer die am besten zugängliche Disziplin, da die kompakte Strecke an vielen Punkten einsehbar ist.
Im Kontext der Gesamtveranstaltung war Mayrs Sieg ein emotionaler Auftakt, der die Stimmung für die folgenden Wettkampftage setzte. Die österreichische Fahne wehte über dem Stubaital, und die lokale Begeisterung für die Weltmeisterschaft erreichte einen ersten Höhepunkt.
Die vollständigen Ergebnisse des Vertical Race und aller weiteren Disziplinen sind auf unserer Ergebnisseite dokumentiert.
Die Reaktionen auf Mayrs Sieg waren durchweg geprägt von Respekt und Bewunderung. Stella Chesang, die Silbermedaillengewinnerin aus Uganda, nannte Mayrs Leistung „unglaublich inspirierend". „In meinem Land ist Andrea Mayr ein Begriff. Sie zeigt, dass man in jedem Alter Großartiges erreichen kann", sagte Chesang.
Auch World-Athletics-Präsident Sebastian Coe, der die Veranstaltung vor Ort besuchte, zeigte sich beeindruckt: „Andrea Mayrs Sieg ist eine der großen Sportgeschichten dieses Jahres. Sie verkörpert alles, wofür unser Sport steht — Hingabe, Leidenschaft und die Verbindung zwischen Mensch und Berg."
Die österreichischen Medien griffen die Geschichte intensiv auf. Mayrs Sieg war Titelstory in mehreren Tageszeitungen und wurde in den Abendnachrichten ausführlich gewürdigt — eine Aufmerksamkeit, die dem Berglaufsport in Österreich selten zuteilwird und die Bedeutung dieses Moments unterstreicht.
Das Stubaital, eingebettet in die Stubaier Alpen südlich von Innsbruck, bot eine perfekte Kulisse für das Vertical Race. Der Elfer, ein markanter Gipfel am Talende, ist seit Jahrzehnten ein beliebtes Ziel für Bergsteiger und Wanderer. Für die WMTRC 2023 wurde die Strecke am Elfer eigens konzipiert, um die Anforderungen eines modernen Vertical Race zu erfüllen: steil, technisch anspruchsvoll und landschaftlich atemberaubend.
Die Infrastruktur im Stubaital, mit der Elferbahn als logistischem Ankerpunkt, ermöglichte eine reibungslose Organisation des Wettbewerbs. Zuschauer konnten mit der Bahn zum Zielbereich fahren und die Athletinnen auf den letzten Metern anfeuern — ein Konzept, das sich als großer Erfolg erwies und die Stimmung am Berg auf ein Niveau hob, das sonst nur von Ski-Weltcup-Veranstaltungen bekannt ist.
Für Andrea Mayr war die Nähe zu ihrer Heimat ein zusätzlicher Antrieb. „Ich kenne diese Berge, ich kenne diese Luft, ich kenne dieses Gefühl", sagte sie. „Vor den österreichischen Fans zu laufen gibt mir eine Energie, die ich sonst nirgendwo spüre. Dieser Sieg gehört auch ihnen."
Andrea Mayr war zum Zeitpunkt ihres Sieges beim Vertical Race der WMTRC 2023 44 Jahre alt. Trotz ihres Alters dominierte sie das Rennen von der ersten Minute an und gewann mit einem Vorsprung von 34 Sekunden auf die Zweitplatzierte.
Die Strecke überwand auf 5 Kilometern Distanz 1.000 Höhenmeter — eine durchschnittliche Steigung von 20 Prozent. In einzelnen Abschnitten stieg die Steigung auf über 35 Prozent an, was teilweise an Klettern erinnerte.
Andrea Mayr arbeitet als Fachärztin für Innere Medizin an einem Krankenhaus in Wels, Oberösterreich. Sie trainiert neben ihrem Vollzeitjob als Ärztin und ist damit eine der wenigen Spitzensportlerinnen mit einer aktiven medizinischen Karriere.
Das Vertical Race wurde am Elfer im Stubaital ausgetragen, einem markanten Gipfel südlich von Innsbruck in den Stubaier Alpen. Start war im Tal bei Neustift, das Ziel lag an der Bergstation des Elferlift auf rund 2.000 Metern Höhe.
Andrea Mayr hat in ihrer über zwei Jahrzehnte langen Karriere zahlreiche Berglauf-Weltmeistertitel gewonnen — mehr als jede andere Athletin in der Geschichte des Berglaufs. Ihr erster WM-Titel datiert aus dem Jahr 2007.
Die Silbermedaille ging an die Uganderin Stella Chesang, die nur 34 Sekunden hinter Mayr ins Ziel kam. Bronze sicherte sich die Italienerin Camilla Magliano, die sich im Schlussspurt gegen die Kenianerin Joyce Muthoni durchsetzte.