Die World Mountain and Trail Running Championships 2023 in Innsbruck-Stubai rücken näher, und die Spekulationen über mögliche Medaillengewinner nehmen zu. Besonders im deutschsprachigen Raum gibt es mehrere Athletinnen und Athleten, die realistische Chancen auf Edelmetall haben. Wir haben mit fünf von ihnen über ihre Ambitionen, ihre Vorbereitung und die Frage gesprochen, ob sich vielleicht eine Medaille ausgeht.
Andrea Mayr ist im internationalen Berglauf eine Legende. Die Österreicherin hat in ihrer Karriere nahezu alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt: Weltmeistertitel, Europameistertitel, unzählige nationale Meisterschaften. Ihre Bilanz bei Weltmeisterschaften liest sich wie ein Märchen — und bei der Heim-WM in Innsbruck-Stubai will sie ein weiteres Kapitel hinzufügen.
„Vielleicht geht sich eine Medaille aus", sagt Mayr mit der für sie typischen Bescheidenheit. „Ich weiß, dass die Konkurrenz jedes Jahr stärker wird. Es gibt unglaublich talentierte junge Läuferinnen, die mit viel Hunger und Energie antreten. Aber ich kenne meine Stärken und weiß, was ich auf steilen Anstiegen draufhabe."
Mayrs größte Stärke war schon immer der reine Berglauf bergauf — kurz, steil, maximal intensiv. In dieser Disziplin gehört sie seit Jahren zur absoluten Weltspitze. Für die WMTRC 2023 hat sie aber auch die Up & Down-Distanz im Blick. „Die Strecken in Tirol kenne ich wie meine Westentasche. Die technischen Abstiege liegen mir, und ich habe im Winter gezielt an meiner Bergab-Technik gearbeitet."
Kimi Schreiber hat in den vergangenen Jahren eine bemerkenswerte Entwicklung genommen. Der Deutsche hat sich von einem talentierten Nachwuchsläufer zu einem ernsthaften Medaillenkandidaten bei internationalen Meisterschaften entwickelt. Seine Leistungen bei europäischen Meisterschaften und World-Cup-Rennen haben ihn in den Kreis der Favoriten katapultiert.
„Ich war noch nie in einer so guten Verfassung wie jetzt", sagt Schreiber selbstbewusst. „Die Arbeit der letzten Jahre zahlt sich aus. Ich fühle mich bereit für die WM." Schreiber hat seine Vorbereitung minutiös geplant — mit Höhentrainingslager, Streckenbesichtigung und gezieltem Krafttraining für die technischen Passagen.
Schreibers Spezialität ist der Berglauf bergauf, wo er dank seines leichten Körperbaus und seiner explosiven Kraft auf den letzten Kilometern regelmäßig für Überraschungen sorgt. „Im Berglauf bergauf zählt vor allem die Leistung im Verhältnis zum Körpergewicht. Da kann ich mit den Besten mithalten. Ob es für eine Medaille reicht, hängt von der Tagesform ab — und vom Rennverlauf."
Hannes Namberger ist der vielleicht bekannteste deutsche Trailrunner. Der Berchtesgadener hat bei den größten Trail-Events der Welt — UTMB, Western States, CCC — Top-Ergebnisse erzielt und gehört zur absoluten Weltspitze. Bei der WMTRC 2023 startet er auf den Trail-Distanzen und will endlich seine erste WM-Medaille holen.
„Die Trail-Distanz bei der WM liegt mir vom Profil her sehr gut", erklärt Namberger. „Es ist technisch, es ist alpin, es hat viele Höhenmeter — genau das, was ich am besten kann. Und die Tatsache, dass die Strecke im Stubaital liegt, gibt mir zusätzliches Vertrauen. Ich kenne die Alpen, ich kenne dieses Terrain."
Namberger ist bekannt für seine Stärke auf den letzten Kilometern langer Rennen. Während andere einbrechen, läuft er oft seine schnellsten Abschnitte im letzten Drittel. „Das ist mein Trumpf. Bei der WM werden viele Athleten am Anfang zu schnell angehen. Wer am Ende noch Reserven hat, kann weit nach vorne laufen."
Die Konkurrenz auf den Trail-Distanzen ist allerdings enorm. Athleten aus Frankreich, Spanien, Italien und den USA dominieren traditionell. Namberger sieht sich dennoch in einer guten Ausgangsposition. „Ich habe in der Saison schon gezeigt, dass ich auf dem höchsten Niveau mitlaufen kann. Vielleicht geht sich eine Medaille aus — und wenn nicht die Einzel-Medaille, dann die Mannschaftswertung."
Ida-Sophie Hegemann ist eine der aufregendsten Erscheinungen im deutschen Trailrunning. Die junge Athletin hat in kurzer Zeit beeindruckende Ergebnisse erzielt und sich als feste Größe im internationalen Feld etabliert. Bei der WMTRC 2023 gehört sie zu den deutschen Hoffnungsträgerinnen auf den Trail-Distanzen.
„Ich gehe ohne konkretes Platzierungsziel in die WM", sagt Hegemann. „Mein Ziel ist es, mein bestes Rennen zu laufen. Wenn ich an meine Grenzen gehe und alles raushole, dann wird das Ergebnis für sich sprechen." Diese nüchterne Herangehensweise hat sich für Hegemann in der Vergangenheit ausgezahlt — gerade wenn der Druck groß ist.
Hegemanns Vorbereitung umfasst intensive Trainingswochen in den Alpen, wo sie sich an die Höhenlage und das alpine Terrain gewöhnt hat. „Das Stubaital ist ein Traum zum Trainieren. Die Vielfalt an Trails, die Höhenmeter, die technischen Passagen — alles, was man für eine gute WM-Vorbereitung braucht, findet man hier."
Im deutschen Team herrscht großer Zusammenhalt, berichtet Hegemann. „Wir trainieren teilweise zusammen, tauschen uns aus, motivieren uns gegenseitig. Das ist auch für die Mannschaftswertung wichtig, wo wir als Team eine echte Chance haben."
Esther Fellhofer steht für die neue Generation im österreichischen Berglauf. Die junge Athletin hat in den letzten Saisons mit starken Ergebnissen auf sich aufmerksam gemacht und gilt als eine der großen Hoffnungen des heimischen Teams bei der WMTRC 2023.
„Für mich ist es die erste WM im eigenen Land — das ist etwas ganz Besonderes", sagt Fellhofer. „Ich spüre eine riesige Motivation. Die Vorstellung, vor heimischem Publikum um eine WM-Medaille zu kämpfen, treibt mich im Training zu Höchstleistungen an."
Fellhofer sieht ihre größten Chancen im Berglauf bergauf und im Up & Down. „Die steilen Anstiege liegen mir besonders. Ich habe in der Vorbereitung intensiv an meiner Bergauf-Leistung gearbeitet und bin schneller als je zuvor. Ob es für eine Einzel-Medaille reicht, weiß ich nicht — aber ich werde alles dafür geben."
Der Heimvorteil sei für sie ein echter Faktor, betont Fellhofer. „Ich kenne die Strecken, ich kenne die Höhe, ich kenne das Wetter. Und ich weiß, dass an der Strecke viele bekannte Gesichter sein werden, die mich anfeuern. Das gibt Kraft in den entscheidenden Momenten."
Neben den Einzel-Medaillen bieten die Mannschaftswertungen bei der WMTRC 2023 besondere Chancen für die deutschsprachigen Teams. Sowohl Österreich als auch Deutschland und die Schweiz verfügen über breite Kader, die in der Teamwertung für Überraschungen sorgen können.
Im Berglauf bergauf hat das österreichische Damenteam mit Andrea Mayr als Zugpferd realistische Medaillenchancen. Auch das deutsche Herrenteam mit Kimi Schreiber und weiteren starken Läufern wird in der Mannschaftswertung ein Wörtchen mitreden wollen.
Auf den Trail-Distanzen könnten die deutschen Teams mit Hannes Namberger und Ida-Sophie Hegemann als Teamleadern ebenfalls für Aufsehen sorgen. Die Mannschaftswertung belohnt Konstanz und Breite — Qualitäten, die die DACH-Teams durchaus mitbringen.
Bei aller berechtigten Euphorie muss man realistisch bleiben: Der internationale Berglauf und das Trailrunning werden von Nationen wie Italien, Frankreich, Spanien, Kenia und Uganda dominiert. Die afrikanischen Läufer sind im Berglauf bergauf kaum zu schlagen, die südeuropäischen Teams haben im Trail eine jahrzehntelange Tradition.
Dennoch: In der richtigen Disziplin, mit der richtigen Tagesform und dem Rückenwind des Heimpublikums ist für die deutschsprachigen Athletinnen und Athleten einiges möglich. Andrea Mayr hat bereits bewiesen, dass sie auf höchstem Niveau mithalten kann. Kimi Schreiber und Hannes Namberger haben das Potenzial für Überraschungen. Und bei den Frauen könnten Fellhofer und Hegemann für Gänsehautmomente sorgen.
Die WMTRC 2023 in Innsbruck-Stubai wird zeigen, wo der deutschsprachige Berglauf- und Trailrunning-Sport steht — und wohin die Reise geht. Die Vorfreude ist groß, die Vorbereitung läuft auf Hochtouren. Vielleicht geht sich ja tatsächlich die eine oder andere Medaille aus.
Andrea Mayr (Österreich) im Berglauf bergauf, Kimi Schreiber (Deutschland) ebenfalls im Berglauf, Hannes Namberger (Deutschland) auf der Trail-Distanz, Ida-Sophie Hegemann (Deutschland) im Trail und Esther Fellhofer (Österreich) im Berglauf bergauf und Up & Down gehören zu den aussichtsreichsten Kandidaten.
Bei der WMTRC 2023 werden Medaillen in mehreren Disziplinen vergeben: Berglauf bergauf (Uphill), Berglauf Up & Down und Trail-Distanzen — jeweils für Damen und Herren in Einzel- und Mannschaftswertung. Insgesamt stehen dutzende Medaillensätze auf dem Programm.
Die Konkurrenz ist extrem stark. Im Berglauf bergauf dominieren afrikanische Nationen wie Kenia und Uganda. Im Trail sind Frankreich, Spanien und Italien die traditionellen Schwergewichte. Auch die USA, Großbritannien und die Schweiz stellen regelmäßig starke Teams. DACH-Athleten müssen Spitzenleistungen abrufen, um in diesem Feld zu bestehen.
In der Mannschaftswertung zählen die Ergebnisse der besten drei Läuferinnen oder Läufer eines Landes zusammen. Die Nation mit der niedrigsten Gesamtplatzierung gewinnt die Teammedaille. Für DACH-Teams bietet die Mannschaftswertung oft bessere Chancen als der Einzelwettbewerb, da hier Breite und Konstanz belohnt werden.
Ja, der Heimvorteil ist bei Bergläufen besonders ausgeprägt. Streckenkenntnis, Gewöhnung an die Höhenlage, vertrautes Terrain und die Unterstützung des Publikums können leistungsentscheidend sein. Studien zeigen, dass Heimathleten bei Bergrennen durchschnittlich besser abschneiden als bei Auswärts-Wettkämpfen.
Die WMTRC 2023 erstreckt sich über mehrere Tage im Juni 2023. Die einzelnen Disziplinen — Berglauf bergauf, Up & Down und Trail — finden an verschiedenen Tagen statt. Genaue Zeitpläne werden auf der offiziellen Event-Website veröffentlicht. Die Trail-Distanzen sind in der Regel die letzten Wettbewerbe im Programm.